Für Sonntag planen wir Aktionen im Rahmen des Action Days „Your repression will never kill our passion – Alerta!”. Es wird Informaterial zum Thema am Fanstand sowie eine Aktion im Block geben.
Alerta Action Day beim Spiel gegen RWO
Fußball in Leipzig
Endlich Stehplätze!
Dafür haben wir lange gekämpft: Arena bekommt Stehplätze
Zu den Zeiten der großen Wirtschaftskrisen reagierte der bürgerliche Staat seit jeher mit Gewalt und Repression auf Proteste und Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse. So ist es auch diesmal. Die heutige politische Kaste legt einfach fest was demokratisch sein soll und was nicht. So wird aus einem schwammigen Begriff, wie der „Mitte der Gesellschaft“ pauschal der Garant für Wohlstand, Aufklärung, Fortschritt und Freiheit. Kritik an diesem scheinheiligen und vor allem abstrakten Zustand ist generell unerwünscht. Die KritikerInnen werden nicht nur als undemokratisch abgestempelt – sie werden zu „Extremisten“. Ungeachtet der Kritik und deren Inhalt wird alles wild in einem Topf verrührt und gleichgesetzt. Der Extremismusbegriff ist schlicht ein Totschlagargument, um sich unangreifbar zu machen. Das Ziel dieser Taktik ist relativ einfach: Die sogenannte Mitte und damit herrschende Klasse soll als unumstößliche und einzig demokratische Institution manifestiert werden. Damit sind die jetzigen Zustände vor inhaltlich radikaler Kritik und Ideen geschützt, da diese KritikerInnen ja eh nur die schöne Demokratie kaputt machen wollen und überhaupt ist es nachts kälter als draußen. Dass es hier um einen rein absoluten Machtanspruch geht, kommt wenigen in den Sinn. So stehen dann auch undemokratische Maßnahmen, wie die Beschneidung von Bürgerrechten (Big brother is watching you), die erneute Beteiligung an Krieg, Dumpinglöhne und Leiharbeit fürs Prekariat, Entsolidarisierung der Krankenversorgung, oder das Aufkeimen neuer reaktionärer Ideen in der ach so demokratischen Mitte in einem ganz anderen Licht. Das alles werde doch nur gemacht um die „Demokratie“ vor den Extremisten zu schützen und um wettbewerbsfähig zu sein. Doch sind die herrschenden Zustände denn so erhaltenswert? Ist eine Klassengesellschaft wirklich so unheimlich demokratisch? Ist es super progressiv und cool wenn die Leute reihenweise verarmen, soziale Rechte die über hundert Jahre erkämpft wurden Stück für Stück abgeschafft werden und du jetzt auch noch schön Studiengebühren zahlen darfst? Ist es total toll, dass die Nachfolgearmee der Wehrmacht heute wieder Krieg führt, oder der Staat in Sachen Repression und Überwachung dreist aufrüstet, dass Ordnungsamtprolls Obdachlose terrorisieren und Flüchtlinge in einigen Teilen dieses Landes Angst um ihr Leben haben müssen? Total klasse ist auch wie wir mit der Natur umgehen und voll demokratisch ist der Kapitalismus an sich ja sowieso. Was interessiert mich denn ob die halbe Welt nix zu futtern hat, ich muss doch erstmal die nächste marode Bank retten und mein Risikokapital aus Island abziehen. Aber halt, keine elementare Kritik, sonst kommt die Extremismuskeule. Komm bloß nicht mit radikaldemokratischen Ideen, denn wie du an den heutigen Zuständen siehst: Demokratie ist ein sehr dehnbarer Begriff. Selbstbestimmung, Mitspracherecht aller und direkten Einfluss auf deine Lebensumstände sind doch Flausen von gestern.
Was hab ich als Fußball Fan damit zu tun?
Dieser Alerta Action Day ist zweigeteilt und das zentrale Thema ist Repression. Im Dezember 2009 ist die Repression gegen Ultragruppen und Fans unser Thema. Im März 2010 widmen wir uns der Repression gegen Flüchtlinge und politische AktivistInnen (historisch, wie aktuell).
Fußballfans waren seit jeher ein „Testball“ für neue repressive Taktiken und Ideen. So wurde beispielsweise mit den Stadionverboten und der Datei Gewalttäter Sport zwei völlig rechtsleere Räume geschaffen. Seit gut 10 Jahren gibt es die Ultrakultur in deutschen Stadien, die sich verstärkt kritisch betätigt und die zunehmende Repression und Stigmatisierung seitens des Staates anprangert. Ultra bedeutet DIY (Do It Yourself). Viele Leute äußern sich vereins- oder gesellschaftskritisch. Der stumpfe Konsum wird abgelehnt. Genau diese Tendenz passt vielen Offiziellen nicht. Kritik und Selbstbestimmung sind unerwünscht und störend. Da wären wir wieder beim Einleitungstext zur generellen gesellschaftlichen Lage. “Gut, dass Ultras als Gruppe angreifbar sind”, denkt sich da der Funktionär und fordert nach Zwischenfällen meist die Sippenhaft und Verbote. So werden oftmals Stadionverbote ausgesprochen und Strafverfahren eingeleitet, um die Jugendkultur Ultra bewusst zu schwächen und zu sprengen. Kritik und Aktivismus braucht doch kein Mensch mehr heutzutage. Mir reichen Sky, DSF oder die Bildzeitung (für Pseudointellektuelle auch Focus genannt). Schön im Stadion ein wenig Stimmung, damit die Damen und Herren VIPs ihren Spaß haben und der Rubel rollt. Aber bitte nicht mehr Ultra.
Zahlreiche Alerta Gruppen im In- und Ausland wurden im vergangenen Jahr mit einer Repressionswelle überzogen. Besonders hart traf es die Münchener Schickeria (zahllose Stadionverbote), unsere Frende aus Zypern von Omonia und die Bukaneros aus Madrid. Von den letzten beiden Gruppen wurden Leute inhaftiert, da sie sich gegen millitante Neonazis gewehrt hatten. Es ist überall dieselbe Masche: Gerade kritische und antifaschistische Gruppen sollen gesprengt und ihr Widerstand gebrochen werden. Wir bleiben jedoch dabei: In einer Zeit wie dieser ist Widerstand wichtiger denn je. In einer Zeit, in der sich der Fußball immer weiter zu einem sterilen Kommerzprodukt entwickelt hat ist es wichtig, dass wir den Finger weiterhin in die Wunde legen und uns nicht kleinkriegen lassen. Das Kollektiv „Ultra“ als Gegenmodell zur sich entsolidarisierenden Mehrheitsgesellschaft. Kritisch, aktiv und selbstbestimmt. Gegen unpolitischen Wischi Waschi Müll und reaktionären Dünnschiss. Leidenschaft, kraftvoller Support, Einsatzbereitschaft und gute Aktionen gegen die Lethargie der breiten Masse, welche scheinbar bereit ist alles zu akzeptieren. Diese Positionierung macht uns angreifbar und natürlich anfällig für Repression. Doch durch eine solidarische Geschlossenheit und unser klares Ziel, überstehen wir auch diese schwarzen Stunden, denn
Your repression will never kill our passion – Alerta!
Gegen eure falsche Freiheit – für Selstbestimmung und Radikaldemokratie!!!
Soldarität mit allen befreundeten Alerta Gruppen!!! United we stand!!!
Refugees Welcome

Seit Oktober 2007 befasst sich in Düsseldorf eine Arbeitsgruppe mit dem Projekt „REFUGEES WELCOME“. Diese besteht aus Fortunafans, die sich im ALERTA! Netzwerk, bei den Ultras Düsseldorf und / oder im Rahmen des Fanprojektes engagieren. Die Anzahl der Aktiven dieser Gruppe variiert zwischen 5 und 20 Teilnehmer/innen – je nach dem welche Aktion oder welches Thema gerade in Planung ist.
Die Intention der Arbeitsgruppe ist es, sich mit dem Thema Flüchtlingspolitik, sowohl theoretisch und inhaltlich als auch praktisch, zu beschäftigen. Gestartet haben wir mit diversen Texten zu Flüchtlingspolitik in Düsseldorf. Des Weiteren haben wir Kontakt mit Fußballfans anderer Vereine aufgenommen, die sich schon länger mit der Flüchtlingsthematik in Deutschland beschäftigen. Wir möchten Flüchtlingen und Migrant/innen verdeutlichen: Ihr seid hier willkommen – in der Fanszene, im Stadion, in Düsseldorf. Der Ball unterscheidet nicht nach Herkunft oder anderen Klassifikationen! Und letztendlich geht es auch darum, Menschen, die Krieg und Folter gesehen bzw. erlebt haben, einfach einmal einen schönen Tag, mit Fußball als Ablenkung, zu bieten.
Der Flüchtlingsrat der Diakonie Düsseldorf wurde unser erster Kooperationspartner, um das Vorhaben, Flüchtlinge kennen zu lernen und mit diesen gemeinsam Fußballspiele der Fortuna zu besuchen umzusetzen. Im Jahr 2008 haben wir dies in die Tat umgesetzt und 20 Flüchtlinge eingeladen. Unterstützung erfuhren wir hierbei von Fortuna Düsseldorf, die unsere Aktionen mit Freikarten unterstützen. Die Flüchtlinge kamen in Begleitung zweier Vertreter der Diakonie in unser Fancafé, Anlaufstelle zahlreicher Fans. Im Rahmen des regelmäßigen Brunchangebotes vor Heimspielen, ergab sich hier die Möglichkeit, sich in lockerer Atmosphäre bei Kaffee und gutem Essen kennen zu lernen. Schnell entstanden Kontakte zwischen Fans und Flüchtlingen. Die Verständigung funktionierte zum Teil „mit Händen und Füßen“ aber auch auf Englisch und Französisch – Fußballbegeistert und gespannt aufs Spiel waren wir alle. Vom Fancafé aus machten wir uns mit einer großen Gruppe von Fans und Flüchtlingen auf den Weg zur LTU-Arena.
Für die Flüchtlinge, die zum Großteil aus afrikanischen Ländern stammten, war es das erste Mal, dass sie ein Stadion hier in Deutschland von innen sehen konnten. Das Spiel ging für die Fortuna leider verloren, ein spannender Nachmittag war es trotzdem. Mit dem Hintergrund dieser sehr positiven Erfahrungen beschlossen wir regelmäßig Flüchtlinge zu den Heimspielen einzuladen. Dies wurde in der Saison 2008/09 drei Mal umgesetzt und in der laufenden Saison bisher zwei Mal. Weitere Besuche werden natürlich folgen.
Mittlerweile kommen auch jugendliche Flüchtlinge zu unserem Fußball Angebot im Rahmen des Fanprojektes. Hier können die Jungs und Mädels selber gegen den Ball treten, ohne einen Vereinsbeitrag entrichten zu müssen.
Das Thema Flüchtlingspolitik wurde, angestoßen durch unsere Kampagne, auch zum Thema diverser Artikel in den Fanzines bei Fortuna. Des Weiteren wurden einige Transparente gemalt – z.B. eine Überziehfahne „Refugees Welcome“ für den oberen Bereich der selbstverwalteten Kurve, ein Banner „Kein Mensch ist illegal“ und diverse Spruchbänder gegen Nazis im Stadion. Seit einiger Zeit arbeiten wir mit STAY! zusammen. Dies ist eine unabhängige, offene Anlaufstelle für Flüchtlinge und Migrant/innen
(www.stay-duesseldorf.de).
Mit einer Gruppe von 20 jugendlichen Migrantinnen und Migranten besuchten wir im Herbst 2009 ein Fortunaspiel. Anschließend luden wir diese zur „After Game- Party“ ins Fancafé ein. Zwei der Jungs aus dieser Gruppe sind inzwischen bei fast jedem Spiel der Fortuna anzutreffen.
Alles in Allem kann die bisherige Entwicklung des Projektes “REFUGEES WELCOME” als voller Erfolg gewertet werden. Zum einen wurde einigen Jungs und Mädels, die sonst im Leben nicht so viel zu lachen haben, ein schöner Tag beschert. Zum anderen schafften wir es, das Thema “Flüchtlings-(und Migrations)politik“ in der Fortuna-Fanszene präsent und zugänglich zu machen und gleichzeitig neue Fans für unseren Verein zu gewinnen. Dass viele Fans auf uns zu kamen und sich interessiert zeigten, rundet das ganze ab und bestätigt unseren positiven Eindruck. Es ist einfach ein schönes Gefühl zu erleben wie unser Sport die Menschen verbinden kann.
Wenn auch du dich näher mit der Flüchtlingssituation in Düsseldorf beschäftigen möchtest, bieten die Mitglieder von Alerta Düsseldorf gerne Einblick in die Thematik.
Fußball ohne Grenzen – Refugees Welcome !